Eine neue autofreie Brücke nach Rothenburgsort

Im Hamburger Osten tut sich einiges: Hammerbrook und die angrenzenden östlichen Stadtteile werden mischgenutzt nachverdichtet, ein Grünzug wird von der Alster bis zur Elbe entwickelt, die HafenCity nähert sich langsam ihrem baulichen Ende und das Großprojekt Billebogen soll die vier Stadtteile Hammerbrook, Rothenburgsort, Veddel und HafenCity miteinander verbinden. Letzteres klingt nach einer ziemlichen Herausforderung – schließlich werden die Stadtteile durch Wasser, Gleise und die meistbefahrene Verkehrsachse Hamburgs zerschnitten. Wie soll das gelingen? Einen kleinen, aber wichtigen Baustein bildet an dieser Stelle eine neue Brücke für Radfahrende und Fußgänger:innen, die vom Elbquartier zum Entenwerder Park führt. Hierzu wurde vor einer Woche das Wettbewerbsergebnis vorgestellt.

Eingespieltes Team

Die Jury entschied sich einstimmig für den Entwurf des Ingenieurbüros schlaich bergermann partner (Stuttgart) mit gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner (Hamburg) und dem Ingenieurbüro Fritz Spieth Beratende Ingenieure GmbH (Esslingen). Damit wird die Brücke von einem erfahrenen Team geplant: gmp Architekten haben gemeinsam mit schlaich bergemann partner bereits den U- und S-Bahnhof Elbbrücken fertiggestellt. Auch die Brücke zum Baakenpark wurde von gmp Architekten realisiert. Zudem sind sie neben weiteren Planungsbüros bei der Entwicklung des Rahmenkonzepts in diesem Abschnitt beteiligt. Der Abschluss des Konzepts ist für Ende des Jahres geplant.

In einem Schwung aus der Stadt raus ins Grüne

Die neue Brücke knüpft am östlichen Teil des Elbquartiers an und führt über 135 Meter zum Entenwerder Park. „[Sie] überwindet den Oberhafenkanal auf direktem Weg mit einer schwungvollen und dynamischen Geste und wird zu einem Bestandteil des Weges. Dies ermöglicht vor allem für Radfahrer eine flüssige und unkomplizierte Benutzung.“, so Sven Plieninger vom Ingenieurbüro schlaich bergermann partner. Geplant sind ein Zweirichtungsradweg und ein Fußweg, die an beiden Enden Aufenthaltsbereiche vorsehen. Die genaue Breite der Brücke werde derzeit geprüft. 

Momentan ist der Entenwerder Park vom Stadtzentrum aus nur mühsam erreichbar. Vom Oberhafendeich aka der Oberhafen Connection kommend wird die Neue Elbbrücke über einen sehr schmalen Fuß- und Radweg unterquert. Die neue Brücke bietet eine breitere Querungsmöglichkeit sowie eine zusätzliche Verknüpfung zur HafenCity.

Wie gelangt man vom Oberhafendeich auf die Brücke? 

Seit der Fertigstellung der Oberhafen Connection hat sich eine attraktive, autofreie Verbindung vom Stadtzentrum zu den östlichen und südlichen Stadtteilen ergeben. Zahlreiche Radfahrende aber auch Spaziergänger:innen nutzen die Verbindung gerne. Doch wie gelangt man künftig von dort zur neuen Brücke am Entenwerder Park? Geplant ist in dem Gebiet eine weitere Brücke, die den Oberhafenkanal queren und damit den Oberhafendeich mit dem Elbtower verbinden soll.

Radverkehrskonzept Stand Oktober 2020 © HafenCity GmbH

Eine dritte Brücke ist zudem weiter nördlich in Hammerbrook geplant: Hier soll der Billhafen im Zuge der Entwicklung des Alster-Bille-Elbe Grünzugs am Alten Recyclinghof am Bullerdeich gequert werden.

„Der Umweltverbund aus ÖPNV sowie Rad- und Fußverkehr muss weiter gestärkt und zunehmend vernetzt gedacht werden. Wir wollen, dass der Umweltverbund zukünftig 80% der Wege abdeckt – 25% sollen auf den Radverkehr fallen. Genau dazu wird auch diese Brücke zwischen Rothenburgsort und HafenCity beitragen.“

Martin Bill, Staatsrat, Behörde für Verkehr und Mobilitätswende

Was geschieht mit der südlichen Anbindung der Veddel?

Wer regelmäßig über die Neue Elbbrücke fährt, kennt das Dilemma: In jede Fahrtrichtung verläuft ein sehr schmaler Fuß- und Radweg – das Überholen anderer Radfahrender wird dabei regelmäßig zur Herausforderung – viel Platz gibt es nicht. Auf Nachfrage bei der Presseabteilung der HafenCity GmbH wurde mitgeteilt, dass eine komfortablere Verbindung über die Neue Elbbrücke nicht geplant sei. Mit der Entwicklung des Grasbrooks soll es zwar für Radfahrende eine Querungsmöglichkeit Richtung HafenCity geben – doch erscheint diese Variante für Radfahrende von der Veddel und Peute kommend als umständlich.

Die neue Brücke ist, wenn sie die entsprechende Breite für einen Zweirichtungsrad- und Fußweg aufweist, eine Chance, HafenCity und Rothenburgsort miteinander zu verbinden. Inwiefern die südliche Radanbindung nach Wilhelmsburg damit funktioniert, bleibt jedoch offen – sicherlich spielt dabei die Entwicklung des Grasbrooks und die dortige Platzierung verknüpfender Radwege eine entscheidende Rolle. Baubeginn der Brücke nach Entenwerder ist 2022 geplant.

Fotos: Tim Kaiser

Maja Mijatovic

Maja ist Freie Journalistin und Pressereferentin im Bereich Stadtentwicklung, Architektur und Urbanismus. Auf ihrem Blog dialogearchitektur.net dokumentiert sie seit 2018 das Hamburger Baugeschehen und plädiert im Allgemeinen für eine Stadt der kurzen Wege. Sie verliert sich gerne auf dem Fahrrad in fremden Städten, fährt Berge lieber rauf als runter und wird wohl nie den deutschen Teil des Iron Curtain Trails beenden.

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